SKIN – Jetzt im Kino

HINTERGRÜNDE

 

"Typen wie er haben nur drei Optionen: jung sterben, ein Leben im Gefängnis oder sie fangen an zu reden."

 
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INHALT

 
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Ohio 2009. Ein Aufmarsch von fanatischen Anhängern der White-Supremacy-Bewegung. Rechtsradikale Sprüche werden skandiert, rassistische Plakate geschwenkt, Hände zum Hitler-Gruß hochgereckt. Unter ihnen Bryon Widner (Jamie Bell), genannt „Babs“. Wut und Hass trägt er sichtbar auf der Haut – Tattoos „schmücken“ Körper, Gesicht und den kahl rasierten Schädel. Militante Parolen, nationalsozialistische Symbole, als Zahlen verschlüsselte Botschaften... 33 steht beispielsweise für den Ku-Klux-Klan. K ist der elfte Buchstabe im Alphabet. Drei mal elf ergibt 33.

 Zu schweren Ausschreitungen kommt es im Verlauf der Kundgebung. Die Polizei verliert die Kontrolle. Die weißen Suprematisten liefern sich mit den vorwiegend afroamerikanischen Gegendemonstraten eine Straßenschlacht, ein junger Schwarzer flüchtet in Panik. Widner läuft ihm nach, stellt ihn in einer Gasse. Prügelt auf ihn ein, schneidet ihm ein Hakenkreuz in die Wange. Kurz darauf wird Bryon verhaftet. Beim Verhör durch das FBI bietet Agentin Jackie Marks ((Mary Stuart Masterson) dem aggressiven jungen Mann einen Deal an: Wenn er gewillt ist, gegen den Klan auszusagen und Insider-Informationen preiszugeben, wird die Anklage gegen ihn fallen gelassen.

 Undenkbar für Widner, der eisern schweigt. Bald befindet er sich wieder auf freiem Fuß, kehrt zurück zur Ziehfamilie. Zu Mutter Shareen (Vera Farmiga) und Vater Fred „Hammer“ Krager (Bill Kamp), radikaler Führer und selbstherrlicher Drahtzieher einer radikalen Splittergruppe namens „Vinlander’s Social Club“. Da lernt „Babs“ bei einer Zusammenkunft der Rechtsradikalen, auf dem „Nordic Fest“, die dreifache Mutter Julie (Danielle Macdonald) kennen – und verliebt sich in die patente alleinerziehende Frau. Stark, selbstbewusst, dem Leben zugewandt, ist sie, der rechten Szene und ihrem gewalttätigen Ehemann hat sie vor Kurzem den Rücken gekehrt.

Bryon beginnt – von alten Mitstreitern angefeindet, bedroht und terrorisiert – seine Wertewelt zu hinterfragen, kommt in Kontakt mit dem schwarzen Menschenrechtsaktivisten Daryle Jenkins (Mike Colter), Gründer des „One People’s Project“. Potentiellen Aussteigern bietet er seine Hilfe an, will „Müll will in menschliche Wesen verwandeln“. In Byron erkennt er den Menschen, der sich hinter seinen Tattoos versteckt. Sie müssen weg. Eine Sponsorin findet sich für die teure, schmerzhafte Behandlung. 612 Sitzungen wird es dauern, bis Bryon Widner zum neuen Mann geworden ist. Zum treusorgenden Vater, liebenden Gatten – und zum unermüdlichen Mitstreiter von Daryle Jenkins.

 

Eine „true story“, ein eindringliches Thriller-Drama nach wahren Begebenheiten. Ein tätowierter Rechtsradikaler, ein Mann, der seine Haut zu Markt trägt, ein Film, der unter die Haut geht. Die Story einer schmerzhaften Verwandlung und einer großen Liebe. Ein verblendeter weißer US-Neonazi bricht mit seiner Vergangenheit, findet die Frau fürs Leben, ein schwarzer Bürgerrechtsaktivist steht ihm zur Seite – Bryon Widmer und Daryle Jenkins haben für Schlagzeilen gesorgt und Geschichte geschrieben, bewiesen wie (Rassen-)Hass überwunden werden kann.  

 

Der israelische Filmemacher Guy Nattiv erzählt in SKIN, seinem ersten US-Spielfilm – basierend auf seinem gleichnamigen, 2019 mit einem Oscar prämierten Kurzfilm – authentisch und ungeschönt die wahre Geschichte des rechtsradikalen Szeneaussteigers Bryon „Babs“ Widner.

 

Nah am Leben, authentisch und packend hat der Regisseur den brisanten Stoff nach eigenem Skript fürs Kino aufbereitet. Das Berlinale-Publikum zeigte sich begeistert, Standing Ovations gab es – und auf dem Toronto International Film Festival den FIPRESCI Preis der internationalen Vereinigung von Filmkritikern und Filmjournalisten. Jamie Bell („Billy Elliot – I Will Dance) besticht als (Anti-)Held, Mike Colter („Girls Trip“) als dessen Mentor. Die Rolle der dreifachen Mutter Julie hat Danielle Macdonald („Patti Cake$ – Queen of Rap“) übernommen, als Zieheltern von „Babs“ überzeugen die Charakterdarsteller Bill Camp („Vice – Der zweite Mann) und Vera Farmiga („Up in the Air“).

 

 

GLOSSAR

 
SKIN 03. Mike Colter. Courtesy of A24.png
 

Daryle Lamont Jenkins

Geboren 1968 in Newark, New Jersey, politischer Aktivist, der sich als Gründer des One People's Project einen Namen gemacht hat. Der Afroamerikaner ist eine schillernde Persönlichkeit, war sowohl Teil der Punk-Rock-Szene als auch Polizist bei der United States Air Force. Er bietet ein Aussteiger-Programm für Neonazis an und marschiert bei Anti-Rassismus-Demos mit, wo er das Aufeinandertreffen von Antifa-Gruppen und Alt-Right-Demonstranten auf Video festhält.

 

Ku-Klux-Klan

Rassistischer, gewalttätiger Geheimbund, gegründet 1865 nach Ende des Sezessionskriegs. Primäres Ziel war die Unterdrückung der Afroamerikaner, heute richten sich Hass und Wut gegen alle nicht-weißen Minderheiten. Die paramilitärische Gruppierung wurde 1870 aufgelöst und 1915 als nativistische Organisation neu gegründet. Große Bekanntheit erlangte der Klan durch David W. Griffiths technisch wegweisenden, politisch fragwürdigen Stummfilm „Die Geburt einer Nation“.

 

One People’s Project

Im Jahr 2000 wurde das One People's Project (OPP) gegründet, um die Aktivitäten von einschlägig bekannten Rassisten und rechtsextremen Gruppierungen zu überwachen, dokumentieren und publizieren. Die bekanntesten Mitglieder der Organisation, die im Kern aus 15 Freiwilligen besteht, sind ihr Gründer Daryle Lamont Jenkins und Joshua Hoyt, der seit 2002 Mitglied ist. Das Motto der wohl bekanntesten US-amerikanischen Antifa-Bewegung lautet: „Hass hat Konsequenzen“.

 
SKIN 02. Bill Camp. Courtesy of A24.jpg
 

Rechtsextreme Zeichen und Symbole

Die Anhänger der (internationalen) rechtsextremistischen Szene bedienen sich bestimmter Symbole und Zeichen (Hakenkreuz, Schwarze Sonne, SS-Totenkopf etc.), um ihre Gesinnung zu demonstrieren. Die Symbolsprache umfasst neben verbotenen Parolen wie „Meine Ehre heißt Treue“, nationalsozialistischer Terminologie – etwa „Ostmark“ für Österreich – auch Zahlencodes. So steht 33 für den Ku-Klux-Klan. K ist der elfte Buchstabe im Alphabet. Drei mal elf ergibt 33.

 

Southern Poverty Law Center

Die Anwälte Morris Dees, Joseph Levin und Julian Bond gründeten das Southern Poverty Law Center (SPLC) 1971 ursprünglich als Rechtsanwaltskanzlei in Montgomery, Alabama, wo Rosa Parks 1955 den historischen Busboykott auslöste, weil sie sich geweigert hatte, ihrem Sitzplatz für einen Weißen zu räumen. Heute ist das „Rechtszentrum zur Armut im Süden“ eine Organisation, die Rassismus bekämpft und Bürgerrechte durch Forschung, Bildung und Zivilklageverfahren fördert.

 

White Supremacy

Die Suprematisten, Anhänger der „weißen Vorherrschaft“, gehen weltweit von der Annahme aus, dass „Europide“ allen anderen menschlichen „Rassen“ überlegen sind. Sie sehen sich in privilegierter Stellung, bestimmt zu herrschen, sei es politisch, religiös oder kulturell. Auf dieser Theorie basier(t)en zahlreiche rassistisch ideologische Systeme, darunter der deutsche Nationalsozialismus und das südafrikanische Apartheid-Regime. Pendant: Black Supremacy.    

 
SKIN 07. Jamie Bell. Courtesy of A24.jpg
 

Vinlanders Social Club

2003 wurde der Vinlanders Social Club (VSC) von Mitgliedern und Sympathisanten der Skinhed-Gruppe „Outlaw Hammerskins“ ins Leben gerufen. Der rassistischen Vereinigung gehörten Eric „Der Schlachter“ Fairburn und Brien James von den „Hoosier State Skinheads“, Steve Smith und vier weitere Ex-„Keystone State Skinheads“ sowie Anhänger der „Ohio State Skinheads“ an. Der VSC wurde 2010 vom Phoenix Police Department und der Anti-Defamation League (ADF) zerschlagen. 

Bryon „Babs” Widner

Er galt lange Jahre als treibende Kraft der US-amerikanischen Neonazis: Bryon „Babs“ Widner, geboren (wohl) 1977. Als gewaltbereiter „Pitbull“ wurde der Mitbegründer des Vinlanders Social Club beschrieben. 16 Jahre lang waren Körper und Gesicht mit Hakenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen übersäht, ehe er sich entschloss, die Tattoos weglasern zu lassen. In „Erasing Hate“ (2011) dokumentiert Bill Brummel die Wandlung des Skinheads zum Menschenrechtsaktivisten.

 

 

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AB 03.10. IM KINO

CAST & CREW

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